
Druffel auf Hermanns Spuren: Sieben Mann, drei Stunden, ein Sahne-Tag
Kurz nach neun stehen sieben Druffeler unter dem blauen Carolinen-Bogen am Hermannsdenkmal. In der Nacht waren es noch sechs Grad, jetzt klettert das Thermometer Richtung acht, die Sonne hat sich durch die letzten Schleier gearbeitet und legt einen sauberen Lichtstreifen auf das Pflaster vor der Statue. Wer hier wartet, sortiert in den letzten Minuten noch einmal seine Gedanken. Den Hermannslauf das erste Mal angehen, mit fast achtundvierzig, das ist einer von vielen Plänen, die hier oben stehen. Tim macht es.
Vom 28. Dezember zur Gruppe
Die Saat liegt vier Monate zurück. "Moin zusammen, wie beschrieben starten wir am Mi, 07.01.2026 um 19:30 Uhr einen kurzen Kennlern-Lauf mit Start & Ende am Sportheim", schickte einer der Initiatoren in die Runde. Trainingsintervalle besprechen, mögliche Vorbereitungsläufe, Anmeldung zum Hermann am 18. Januar. Kein Großprojekt, eher ein Versuchsballon. Vier Monate später liefen sie ihn.
Stromberg, Strava und ein Pace-Maker, der Minuten zählt
Der Winter war nasskalt, viele Trainingseinheiten liefen im Dunkeln. Sonntag morgens ging es nach Stromberg für die ersten ernsten Höhenmeter, anschließend in die Bäckerei, über Sonntagsbrötchen freut man sich schließlich daheim. Das Tempospektrum reichte vom lockeren Vierer-Schnitt bis 6:30 pro Kilometer, also wurden Leistungsgruppen gebildet, die sich später nahezu eins zu eins bei den Startgruppen wiederfanden. Auf den echten Hermannslauf-Abschnitten im Teutoburger Wald wurden zusätzlich ein paar Trainingsläufe absolviert. In der gemeinsamen Strava-Gruppe wurden Kilometer und Höhenmeter dokumentiert und mit Kudos kommentiert. Pace-Maker Malte kitzelte bei den Schnelleren der Gruppe die letzten Spitzen heraus. Seine persönliche Vorhersage für den eigenen Lauf am Tag X war fast minutengenau angekündigt, dann auch geliefert: 2:12:56. Wahnsinn. Einfach nur Chapeau.
Tims Generalprobe und das Ziel mit dem Lächeln
Tim, kein Freund böser Überraschungen, lief Ende März schonmal vorab 32 km. Vom Hermannsdenkmal bis zur Sparrenburg, in seinem eigenem Tempo, bis auf wenige Abweichungen der Originalstreckenverlauf. Zuversicht statt Respekt, das war der Plan, und die Generalprobe lieferte beides. Sein Ziel formulierte er nüchtern: mit einem Lächeln ankommen. Team Ankommen, Startgruppe E.
26. April: Sahne-Tag
Am Lauftag hielt das Wetter, was der blaue Himmel am Morgen versprach. Die Sonne arbeitete sich auf elf, zwölf Grad hoch, mittags noch klar, erst gegen Nachmittag zogen Wolken auf. Perfekte Bedingungen. Die Anspannung an den fünf Startblöcken stieg minütlich, dann ging es endlich los. Tim fasst seinen Tag selbst am besten zusammen: "Gestern war natürlich ein Sahne-Tag - die Stimmung, das Wetter, die Strecke - abends bin ich zufrieden eingeschlafen." Und weiter: "Das Wichtigste für mich war, dass ich mit Spaß und Freude jeden Kilometer genossen habe und dann mit einem Lächeln die Promenade genossen habe. Panzerstrasse und Oerlinghausen City war auch eine so tolle Atmosphäre." Am Tag danach: leicht verhärtete Waden, Treppen rauf und runter kein Problem. Mehr Bilanz braucht es nicht.
Drei bis vier Staus und die Lämmershagener Treppen
Ganz ohne Knubbel ging es nicht. Drei bis vier Stausituationen kostete der Lauf, einmal nach einem Sturz eines Teilnehmers, zweimal mitten im Wald - wie auf der Autobahn ohne ersichtlichen Grund - und zuletzt vor den Lämmershagener Treppen. Teilweise stand man minutenlang. In Summe gut zehn bis zwölf Minuten, in denen die Kilometerzeit zwischenzeitlich auf elf Minuten pro Kilometer hochkletterte. Wer dort an dem Tag auf eine persönliche Bestzeit aus war, war angeschmiert.
Nach dem Zieleinlauf
Nach der Kleidersackausgabe trafen sich die sieben vor den Burgmauern zur Bestandsaufnahme. Alkoholfreies Weizen, müde Beine auf einer Bank, Medaillen am Hals, abklatschen, pure Freude, gemeinsame Abfahrt zurück nach Druffel. Wetter, das in der Erinnerung vermutlich noch eine Schippe heller wird, als es auf den Bildern aussieht. So enden gute Tage.
Die Mannschaftswertung
In der offiziellen Mannschaftswertung des 54. Hermannslaufs landete die Druffeler SG auf Platz 67 mit einer addierten Zeit von 15:01:28 Stunden. Die fünf Wertungsläufer:
**Michael Peitz** - 2:37:38
**Jens Himmeldirk** - 2:49:53
**Bernd Steinlage** - 3:00:46
**Thomas Trendelbernd** - 3:07:31
**Tim Abing** - 3:25:40
Lukas und Achim liefen mit, ohne in der Wertung zu stehen, ohne aber im Erlebnis zu fehlen.
Fazit
Die vielen nasskalten und dunklen Trainingseinheiten im Winter haben sich für alle ausgezahlt. Maximal fit in die warme Jahreszeit, ein Mega-Event hinter sich, eine Truppe, die sich erst im Januar gefunden hat und im April eine gemeinsame Strecke teilt. Vom Kennenlern-Lauf am Sportheim zum Hermannsdenkmal zur Sparrenburg in vier Monaten. Sieben Druffeler. Ein Sahne-Tag. Gerne wieder.





